Selbst bei perfekt eingestellter Schichthöhe hinterlässt die FDM-3D-Druckdüse auf den obersten Deckschichten (Top Surfaces) stets feine parallele Rillen und Nahtstellen. Bei Sichtbauteilen, Displayblenden oder Präsentationsmodellen stört diese Linienstruktur das optische und haptische Gesamtbild. Mit der Ironing-Funktion (Glätten / Bügeln) fährt die heiße Düse nach dem eigentlichen Drucken nochmals mit minimalem Materialfluss über die Deckschicht und verschmilzt die Rillen zu einer spiegelglatten, homogenen Fläche. In diesem Praxis-Leitfaden zeigen die Fertigungsexperten der 3D Bäckerei Berlin, wie Sie Ironing Flow, Geschwindigkeit und Zeilenabstand in OrcaSlicer und Bambu Studio kalibrieren.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Wie funktioniert Ironing? Physik des thermischen Glättens
- 2. Die 4 Stellschrauben: Flow, Geschwindigkeit, Abstand & Muster
- 3. Der Ironing-Kalibrierungstest in OrcaSlicer & Bambu Studio
- 4. Materialempfehlungen: PLA, PETG, ABS & Carbonfaser
- 5. Troubleshooting: Was tun bei Glanzflecken oder rauen Riefen?
- 6. Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Wie funktioniert Ironing? Physik des thermischen Glättens
Beim Ironing fungiert die flache Spitze der Düse wie ein Miniatur-Bügeleisen. Die Düse fährt in dichtem Zeilenabstand (z. B. 0,1 mm bis 0,15 mm) über die fertige Deckschicht. Gleichzeitig extrudiert der Drucker einen winzigen Materialanteil (typisch 10–15 % des Standardflusses), um mikroskopische Vertiefungen zwischen den Bahnen exakt aufzufüllen.
2. Die 4 Stellschrauben: Flow, Geschwindigkeit, Abstand & Muster
- Ironing Flow (Bügelfluss): Der entscheidendste Parameter (Standard:
10 % bis 15 %). Zu wenig Fluss hinterlässt Rillen; zu viel Fluss erzeugt schuppige Kunststoff-Wülste an den Rändern. - Ironing Speed (Glättungsgeschwindigkeit): Optimal sind
20 bis 40 mm/s. Zu schnelles Fahren überträgt nicht genügend Wärme zur Plastifizierung. - Ironing Line Spacing (Zeilenabstand): Standardwert
0,1 mm bis 0,15 mm(bei 0,4-mm-Düse). Garantiert vollständige thermische Überlappung. - Ironing Pattern: Monotonic Line oder Rectilinear für gleichmäßige Lichtbrechung ohne sichtbare Flecken.
3. Der Ironing-Kalibrierungstest in OrcaSlicer & Bambu Studio
Drucken Sie ein Testmodell mit mehreren 20×20 mm Quadraten und testen Sie folgende Flussabstufungen:
| Materialklasse | Empfohlener Ironing Flow | Geschwindigkeit | Oberflächen-Ergebnis |
|---|---|---|---|
| PLA / PLA-Matte | 10 – 14 % | 30 mm/s | Sehr eben, matt-seidiger Glanz |
| PETG | 8 – 12 % | 25 mm/s | Spiegelnd glatt (erfordert saubere Düsenspitze) |
| ABS / ASA | 12 – 16 % | 35 mm/s | Homogene Struktur, ideal vor Aceton-Bedampfung |
| PA-CF / PETG-CF | nicht empfohlen | – | Carbonfasern erzeugen von Natur aus ein diffuses Finish |
4. Materialempfehlungen & Besonderheiten
Besonders bei PLA Matte und PETG liefert Ironing spektakuläre Resultate. Bei faserverstärkten Verbundwerkstoffen wie PA-CF ist Ironing dagegen nicht sinnvoll, da die hervorstehenden Fasern durch das Bügeln aufgeraut werden.
5. Troubleshooting: Was tun bei Glanzflecken oder rauen Riefen?
- Problem: Schuppige, raue Ränder am Bauteil: Ironing Flow ist zu hoch (z. B. auf 10 % reduzieren).
- Problem: Ungleichmäßige matte und glänzende Flecken: Druckkopf-Geschwindigkeit zu uneinheitlich oder Düsentemperatur schwankt. Stellen Sie ein Monotonic-Glättungsmuster ein.
- Problem: Düse reißt die Oberfläche auf: Düsenspitze ist verschmutzt oder Flow ist zu niedrig. Düse mit einer Messingbürste reinigen.
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6. Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Verlängert Ironing die gesamte Druckzeit erheblich?
Da Ironing nur auf den obersten horizontalen Flächen ausgeführt wird, beträgt der zusätzliche Zeitaufwand bei den meisten Teilen lediglich 3 bis 8 % der Gesamtdruckzeit.
Welche Düsenform eignet sich am besten für Ironing?
Standarddüsen mit breiter flacher Stirnseite (z. B. V6 oder Bambu Standard) glätten hervorragend. Spitze Düsenprofile übertragen weniger Kontaktfläche.

